Zuvor noch kurz etwas Geschichte

Cognac ist eigentlich ein sehr junges Produkt. Im Gegensatz zu Whisky, der eine Jahrtausende alte Tradition besitzt, ist die Spirituose Cognac «lediglich» rund 300 Jahre alt. Das älteste große Cognac-Haus – Martell – wurde 1715 gegründet. Wie es genau zur ersten Cognacproduktion kam, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Über seine Entstehung existiert eine Unzahl verschiedener Anekdoten, wobei sicherlich die bekannteste die Geschichte des Chevaliers de La Croix Maron ist.

Es wird erzählt, dass er im Jahre 1620 in einer Ecke seines Kellers ein altes Fass mit altem und wohl nicht mehr allzu gut schmeckendem Branntwein fand. Da er das Fass nicht einfach ausschütten wollte, ließ er diesen Branntwein noch einmal destillieren, wodurch ein recht wohlschmeckendes Getränk entstand und nebenbei die bis heute in Cognac vorgeschriebene doppelte Destillation entdeckt wurde.

Natürlich ist für die Qualität von Cognac nicht ausschließlich nur die doppelte Destillation verantwortlich. Ähnlich wie beim Wein spielen vor allem die Lage der Weinberge, das Alter des Eaux-de-vies sowie die Art der Lagerung eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die Art der Destillation.

Das Anbaugebiet des Cognacs – die verschiedenen Lagen (Crus)

Anbaugebiet Cognac

Das Anbaugebiet Cognac und seine Lagen

Seit dem 18. Jahrhundert kristallisierten sich in den Regionen um die Stadt Cognac klare Qualitätsunterschiede der einzelnen Lagen heraus. 1930 wurden 6 Crus (Lagen) gesetzlich festgelegt und durch die Appelation d’Origine Controllée (kontrollierte Herkunftsbezeichnung) geschützt:

Der Begriff Champagne hat jedoch nichts mit der Champagne, dem Herkunftsgebiet des Champagners, in Nord-Ost Frankreich zu tun. Es wird zwar teilweise behauptet, dass die Bezeichnung Champagne gewählt wurde, da sich die Bodenzusammensetzungen dieser Regionen – trotz ihres Abstandes von rund 500 km – ähneln, was aber nach einer etwas weit hergeholten Erklärung klingt. Logischer erscheint die Ähnlichkeit mit dem französischen Ausdruck Campagne (Feldland, Ackerland); Für einige Lagen wurde der Ausdruck Bois (Holz, Wald) gewählt, weil in diesen Gebieten in früherer Zeit Wälder und Buschwerk (Fins Bois) zu finden waren. Es liegt somit nahe, im Wort Campagne auch eine Erklärung der Namensherkunft der ersten beiden Lagen zu finden.

Grande Champagne

Sie ist die an erster Stelle (Premier Cru) eingeordnete Region. Die Grande Champagne umfasst 27 Gemeinden südöstlich der Stadt Cognac und liefert ca. 18 Prozent des Gesamtcognacs. Sie umfasst 34.703 ha, von denen 13.159 ha von Weinbergen bedeckt sind, die Weißweine für die Cognac-Produktion erzeugen. Die Grande Champagne bringt sehr feine und leichte Branntweine mit Blütenbouquet hervor, die zu ihrer vollen Entwicklung eine lange Alterung im Eichenfass benötigen.

Petite Champagne

Die Petite Champagne wird an zweiter Stelle genannt, sie legt sich von Südosten nach Südwesten an die Grande Champagne an. Die 60 Gemeinden auf einer Gesamtfläche von 65.603 ha verwenden rund 15.000 ha Rebfläche für die Cognacproduktion (20% der Gesamtproduktion). Ihre Böden sind denen der Grande Champagne sehr ähnlich, allerdings nicht ganz so kreidehaltig. Die Destillate dieser Cru sind etwas weniger konzentriert als die ihrer «großen Schwester», dafür fruchtig-floral betont, was für eine Cognac-Cuvée (Cognac-Verschnitt) von Bedeutung ist. Eine Cuvée aus Grande- und Petite Champagne wird Fine Champagne genannt, was allerdings nur dann zulässig ist, wenn der Grande-Champagne Anteil mindestens 50 Prozent beträgt. Aber auch Cognacs, welche nur aus der Petite Champagne stammen, können durchaus von sehr hoher Qualität sein – und das zu einem oft recht günstigen Preis.

Borderies

Sie ist die kleinste Cru, gerade einmal 10 Weinorte gehören zur Borderies. 3.987 ha Weinberge im Nordosten der Stadt Cognac sind der Cognac-Produktion gewidmet und damit liefert diese Lage rund ca. 5 Prozent der gesamten Cognacproduktion. Der Boden ist sehr fruchtbar, allerdings nur in tieferen Lagen kalkhaltig, oberflächlich dominiert Feuerstein-Tonerde. In der Borderies wird erst seit ca. 200 Jahren Wein angebaut, damals während des ersten Cognac-Booms wurden die Wälder abgeholzt und stattdessen Rebstöcke ausgepflanzt. Die Destillate werden zur Abrundung der Cuvées geschätzt, vornehmlich bei sehr alten Bränden.

Fins Bois

Die Fins Bois legt sich ringförmig um die bereits erwähnten Gebiete. Trotz ihrer Größe sind hier nur ca. 31.000 Hektar für die Cognacproduktion bestockt. Die 274 beteiligten Dörfer liefern ungefähr 40 Prozent der Cognacs. Es handelt sich größtenteils um Tonerde-Böden, allerdings mit einzelnen Kalkinseln. Gerade diese Kalkinseln sind für den Anbau sehr geeignet. In guten Jahren können Brände dieser Kalkinseln qualitativ fast an Grande Champagne-Brände heranreichen. Ansonsten geben diese Brände der Cuvée Kraft und Fülle. Fins Bois-Brände altern recht schnell, finden sich somit sehr oft in V.S. und V.S.O.P-Qualitäten (also junge Brände).

Bons Bois

Die Bons Bois legt sich wie ein weiterer Jahresring um die bereits besprochenen Crus. Die 9.308 Hektar Rebfläche liefern ca. 10 Prozent der Cognacproduktion. Auch hier weist der oft schwere und feuchte Tonboden einige Kalkinseln auf, die bessere Brände hervorbringen. Bons Bois-Brände sind kräftig im Geschmack, weisen aber nicht die Feinheiten der besseren Regionen auf und lassen die nahe Seeluft erahnen. Aufgrund des recht niedrigen Preises werden Bons Bois-Brände für günstigere Standardmischungen geschätzt.

Bois Ordinaires

Die Bois Ordinaires, auch Bois Communs oder Bois Terroirs genannt, ist die rangniedrigste Cru. Diese Lage umfasst 260.417 ha Weinberge. Lediglich 1.101 ha davon dienen dem Anbau von Weißwein für die Cognac-Herstellung. Sie zieht sich der Atlantik-Küste entlang, einschließlich der Inseln Oléron und Ré. Lediglich ein kleines Stück im Departement Dordogne liegt nicht direkt am Wasser. Maritimes Klima und hohe Bodenfeuchtigkeit sind keine gute Ausgangssituation für den Brennwein. Aufgrund dieser Tatsache besitzt der Cognac der Bois Ordinaires (er ist nicht so «ordinär» wie man anhand des Namens meinen möchte) einen eigenen Charakter, der durchaus gefallen kann.