Das Geschmacksempfinden ist erheblich davon beeinflusst, was man vorher zu sich genommen hat. Um reproduzierbare bzw. vergleichbare Wahrnehmungen beim Bewerten zu haben, sollte die letzte Mahlzeit oder das letzte geschmacksintensive Getränk schon längere Zeit vor der Verkostung genossen worden sein. Selbstverständlich kann ein Cognac auch ohne detaillierte Analyse ein genussvoller Abschluss zu einem Essen sein. Je nach Speisenfolge kann der Lieblingscognac dabei jedoch durchaus mit unbekannten Aromen überraschen. Gleiches gilt natürlich auch für das Testen von mehreren Cognacs hintereinander. Es kommt dann auf die Reihenfolge an, wie der eine oder der andere Proband schmeckt. Je nach Übung des Verkosters kann schon nach einer geringen Anzahl unterschiedlicher Cognacs die Sensorik ein sehr differenziertes geschmackliches Bild liefern.

Es gibt eine üblicherweise verwendete, auf Genusssteigerung optimierte, Reihenfolge beim Probieren, die dem Vorgehen bei einer Weinverkostung sehr ähnelt.

Aussehen

Zunächst der visuelle Aspekt, der sich auf die Farbe, Viskosität und Transparenzbeurteilung konzentrieren sollte. Trübstoffen sollte man nicht allzu kritisch begegnen und der Farbton kann bei vielen Herstellern durch Zugabe von Karamel (siehe gesetzliche Vorschriften) beeinflusst sein. Es gibt einige Hersteller, die auf den blassen Farbton trotz eines ansehnlichen Alters ihres Cognas stolz sind. Die Bildung von «Tränen» ist eher bei Cognacs höheren Alters zu beobachten.

Duft

Hält man die Nase rund 5 cm vom Glasrand entfernt, entdeckt der Kenner die ersten subtilen Duftnoten. Subtil heißt, dass der Duft so schwach ist, dass man sich insbesondere als Einsteiger besonders darauf konzentrieren muss, wie sich die Wahrnehmung verändert, während man das ruhig gehaltene Glas sehr langsam zur Nase führt. Danach kann man eine tiefere Nase nehmen und sehen wie sich der Duft verändert. Zum Schluss widmet man sich den weniger flüchtigen Düften und lässt sie sich durch langsames Schwenken des Glases entfalten. Dieses Vorgehen sollte man einige Male wiederholen und man kann dabei jedesmal wieder ein leicht neues Bouquet entdecken und genießen.

Geschmack

Im Übergang von der Duft- zur Geschmacksbeurteilung sollte man das Glas an den Mund ansetzen, ohne dabei jedoch schon etwas in den Mund aufzunehmen. Versuchen Sie so langsam über den Mund den Flüssigkeitsspiegel einzuatmen. Da die geschmackliche Wahrnehmung großteils durch die Geruchssensorik beeinflusst ist, kann man sich so wieder ganz neue Eindrücke verschaffen. Danach nimmt man endlich einen ersten kleinen Schluck. Während man den Cognac im Mundraum behält, kann man sich auf die teilweise erhebliche geschmackliche Entwicklung konzentrieren. Wenn Sie den Cognac dann im gesamten Mundraum verteilen und wie einen Wein »beißen«, dann können Sie die volle geschmackliche Vielfalt erleben. Nach und nach lässt man dabei kleine Mengen in die Kehle rinnen und auch wenn schon praktisch alles geschluckt ist, kann man mit der Zunge noch einige überraschende Noten entdecken. Den nun im Mundraum verbleibenden Nachgeschmack nennt man den Abgang. Sie werden überrascht sein, dass selbst auch hier noch eine Vielfalt an Aromen zu spüren ist.